Vertikalköder im Eigenbau und andere Basteleien
Hallo Bastelfreunde,
um gleich zu Sache zu kommen, benötigt man zuerst
entsprechende Gussformen für die Produktion. Die Formen kann
man
aus Silikonkautschuk fertigen. Im Bastelgeschäft oder
Modellbauladen gibt es Silikonabformmassen zu kaufen. Das Material
besteht aus zwei Komponenten, dem Silikon und dem Vernetzer
(Härter). Es gibt zwei Varianten, ein Material mit hoher
Elastizität, meistens in der Farbe Weiß, z.B.
für
Gipsabgüsse, und ein Material in rötlicher Farbe, das
etwas
steifer ist und zum Gießen mit Blei oder Zinn geeignet ist.
Ich
habe das rote Material verwendet, da ich davon noch eine Dose von der
letzten Zockerproduktion hatte. Ich denke aber, dass das
weiße
Material ebenfalls geeignet ist, da die Temperaturen bei der
Verarbeitung von Weichplastik (LDPVC) nicht so hoch sind.
Am einfachsten ist die Herstellung einer einteiligen
Gießform.
Als Modelle eignen sich alle Weichplastikköder die eine ebene
Oberseite oder Unterseite haben. Hier bieten sich als Modelle
beispielsweise Vertikalköder, einige Gummifischmodelle und
Frogs
an. Man klebt den Köder mit der flachen Seite, der ganzen
Länge nach, rund herum mit Sekundenkleber auf eine Unterlage
(z.B.
eine Aluminiumplatte, Kunststoffplatte, anderes nichtsaugendes
Material) auf. Es ist wichtig, das keine Gießmasse unter den
Gummiköder laufen kann. Das Festkleben verhindert auch, das
der
Gummiköder in der Silikonmasse aufschwimmt. Nun muss man noch
einen Gießrahmen bauen. Ich baue ihn aus billigen Holzleisten
aus
dem Baumarkt. Ich säge die Einzelteile für den Rahmen
entsprechend zu und klebe sie mit doppelseitigem Klebeband auf die
Unterlage. Die Fugen dichte ich mit Klebstoff ab. Danach wird
der
Rahmen z.B. mit Tapetenlack, Schnellschleifgrundierung, Trennlack, oder
ähnlichem eingestrichen, damit das Holz keine Feuchtigkeit
aufnimmt. Zur Sicherheit klebe ich die die Leisten von außen
noch
mit Klebeband ab. So erhält man einen dichten Kasten. Einige
Bastler benutzen auch Legosteine oder die Bauklötze ihrer
Kinder
zur Kastenherstellung. Falls es zu leichten Hinterschneidungen kommt,
ist dies nicht tragisch, da der spätere Gummiköder
elastisch
genug ist, um ihn dennoch der Form entnehmen zu können.

Modelle mit Rahmen

Fertige Formen für Vertikalköder
Andere Baustelle
Ich habe mir auch eine
spezielle Form nur für Schwänze gefertigt. Eine
Gießform für den Guss eines Schwanzes in zwei
Größen . Später wird dieser Schwanz dann an
einen
herkömmlichen Gummifisch angeschweißt.
Hierfür
benötigt man eine zweiteilige Form. Zuerst bettet man das
abzuformende Teil in Plastilin (Knetmasse) ein. Dies muss so geschehen,
dass es genau bis zur Hälfte (Mittellinie der Kontur)
eingebettet
ist. Man muss nun noch an den späteren Einspritzkanal und an
die
Entlüftungskanäle denken. Man kann sie im Plastilin
mit
einformen oder später einfach aus dem Silikon herausschneiden.
Zusätzlich braucht man auch noch Elemente, die die
späteren
Formhälften gegeneinander positionieren. Man drückt
entweder
zwei kleine Kegel oder Kugeln in die Knetmasse, formt eine Welle
entlang jeden Randes oder formt schräge Kanten. Je
sorgfältiger man bei der Form arbeitet und sich Zeit
lässt,
umso besser wird das spätere Ergebnis.
Beim Anrühren der Abformmasse sollte man sich genau an die
Empfehlungen des Herstellers halten und die beiden Komponenten sehr
sorgfältig mehrere Minuten lang verrühren. Die
abzuformenden
Objekte sollten zuerst mit einem Pinsel dünn mit dem Silikon
eingestrichen werden. Danach wird der Rahmen langsam mit der restlichen
Silikonmasse aufgefüllt. Das Vernetzen (Aushärten)
dauert
etwa fünf Tage. Mann sollte der Masse immer etwas mehr Zeit
geben
als der Hersteller angibt. Der Weichmacher im Gummiköder
verlangsamt das Aushärten. Danach kann die Form abgenommen
werden.
Nun wird die zweite Formhälfte gegossen. Man muss die Schwanzstücke mit einer Nadel durchstechen und in der ersten Silikonformhälfte feststecken. Dies verhindert ein eventuelles Aufschwimmen in der Silikonmasse. Anschließend wird die Form mit Silikonfett dünn und gründlich eingestrichen. Das Fett wirkt als Trennmittel und verhindert ein Festkleben der Silikonmasse an der ersten Formhälfte. Nach dem Bau eines entsprechenden Gießrahmens folgt der Guss der zweiten Formhälfte.

Form für die Schwänze
Der Guss
Die Formen sind nun fertig. Als Gießmaterial für die
Gummiköder habe ich mir in verschiedenen
Angelgeschäften
billige Weichplastikköder besorgt. Es gibt fast
überall
unbrauchbare Weichplastikköder oder Ladenhüter die
man auf
Nachfrage günstig bekommen kann. In den eigenen
Köderkisten
finden sich bestimmt auch noch einige zerflederte und unbrauchbare
Weichplastikköder. Zum verflüssigen des Materials
benutze ich
Heißklebepistolen von Pattex. Das Schmelzen in der Mikrowelle
ist
wohl auch möglich. Mangels eines entsprechenden
Gerätes habe
ich dies jedoch noch nicht ausprobiert.

Heißklebepistole
Die Pistole von Pattex funktioniert recht gut. Sie hat eine
Dauerleistung von 12 Watt und eine Anheizleistung von 70 Watt. Pistolen
mit einer höheren Leistung, z.B. von Meister mit 25 Watt,
werden
zu schnell zu heiß, und verbrennen das Weichplastik. Es gibt
auch
schnurlose Heißklebepistolen. Sie besitzen eine
größere Heizkammer und man kann mehr Material mit
ihnen
verflüssigen bzw. sie speichern mehr flüssiges
Plastik. Wenn
die Pistole erstmal heiß ist, geht das Schmelzen recht
zügig.
Außer der Pistole benötigt man noch einen Holzstab
mit einem
Durchmesser von 10,5 bis 11,5 mm. Man kauft einfach einen 12 mm
Hartholzrundstab aus Buche, kürzt ihn auf die entsprechende
Länge der Pistole und schleift diesen in einer Bohrmaschine
dünner. Man spannt den Stab in das Bohrfutter und
lässt die
Bohrmaschine laufen. Dann schleift man mit Schleifpapier, am besten auf
einen Schleifklotz gespannt, den Stab auf den entsprechenden
Durchmesser herunter. Mit diesem Stab drückt man das
verflüssigte Material aus der Pistole heraus.
Das Rohmaterial wird klein geschnitten und die Pistole damit
befüllt. Am besten ist es, wenn die Pistole dabei senkrecht
steht.
Ein kleiner selbstgebauter Halter aus Holz ist recht praktisch. Beim
Arbeiten sollte man für eine gute Lüftung sorgen!!!
Nach ca.
12 Minuten hat sich das erste Material verflüssigt. Die
Vertikalköder-Form wird jetzt gleichmäßig
ausgespritzt.
Man hält die Pistole mit der rechten Hand (ich bin
Rechtshänder) und drückt gleichzeitig mit der linken
Hand den
Holzstab von oben in die Nachfüllöffnung der Pistole.
Man
fängt mit dem Guss am Kopf an, sobald die Masse dencoberen
Rand
erreicht hat, führt man die Pistole dann langsam in Richtung
Schwanzende. Man erreicht so, dass das Material voraus fließt
und
sich keine Luftblasen bilden. Bei den Schwanzfäden sollte man
dann
etwas aufpassen und nur sehr dosiert Material aus der Pistole
herausdrücken. Hier muss man etwas üben und
Gefühl
entwickeln. Material erstarren lassen. Fertig. Wenn man mehrere
Pistolen für verschiedene Farben hat, kann man auch
mehrfarbige
Köder spritzen.

Fertige Vertikalköder
Bei der zweiteiligen
Form wird anders gearbeitet. Die Form wird zwischen zwei
Holzplättchen in einer Schraubzwinge fixiert. Die
Einspritzöffnung wird auf die Pistole aufgesetzt, die
Spritzdüse zeigt nach oben. Die Form ist oben, dann kommt die
Pistole, quasi verkehrt herum, dann der Holzstab der gegen die
Tischplatte drückt. Nun drückt man mit der Form die
Pistole
herunter und den Stab in die Pistole. Die Form wird nun von unten her
mit flüssigem Weichplastik ausgespritzt. Die Giessmasse steigt
in
der Form nach oben bis sie aus den Entlüftungskanälen
heraustritt. Masse erstarren lassen. Der Schwanz ist fertig.
Diese Schwänze schweiße ich dann an normale
Gummifische an.
Dazu benutze ich einen regelbaren Heißluftlötkolben
für
das Löten von SMD-Bauteilen.
Heißluftlötstationen
werden im Moment auch günstig für ca. 50 €
bei Ebay
angeboten. Es geht aber auch ein kleiner Gasbrenner mit
Heißluftaufsatz zum Schrumpfen von
Schrumpfschläuchen. Man
kann sein Glück auch mit einem regelbaren Lötkolben
probieren. Zum Schweißen von Weichplastik benötigt
man eine
Temperatur von ca. 145-160 °C.
Falls Sie große Gummifische als Gießmaterial
verwenden,
sollten Sie die Schwanzschaufeln aufheben. Man kann diese Schaufeln
dann an kleinere Shads für mehr Aktion anschweißen,
oder
schlecht laufende Gummifische durch das Austauschen der
Schwanzschaufeln doch noch in erfolgreiche Köder verwandeln.

Umgebaute Gummifische
Mit dem Heißluftlötkolben lassen sich auch aus
einfachen
Magnum Twistern große Doppelschwänze fertigen.

Doppelschwanztwister
Viel Spaß beim Nachbau,
(Bericht:Dietmar Brock)

